Wage es, Dich Deines Verstandes zu bedienen!

heilungausdermitte


NATUR & HEILEN: Anne Schadde, Sie sind eine international anerkannte Homöopathin, die seit mehr als 21 Jahren in eigener Praxis tätig ist. Wann hat sich in Ihrem Leben der Entschluss herauskristallisiert, Homöopathin zu werden?

Anne Schadde: Ich war Lehrerin an einer Schule. Damals hat sich mir eintürkischer Junge sehr eng anvertraut,. Er hatte ein Problem, das die Schuleaber nicht lösen konnte. Eines Tages brachte er sich um. Daraufhin beschlossich, mit der Schule aufzuhören und Psychotherapeutin zu werden, um Menschen,vor allen Dingen junge Leute auf den Stufen ihrer Entwicklung, die sie zu gehenhaben, zu begleiten. Ich habe dann eine psychotherapeutische Ausbildung amInstitut für Angewandte Psychologie und Psychotherapie abgeschlossen und - um unabhängig arbeiten zu können- die Josef Angerer-Schule inMünchen besucht und die Heilpraktikerprüfung gemacht. In diesen Jahren bin ich der Homöopathie begegnetund dachte mir: „Das ist ja wunderbar, dass die Homöopathie genau die Brückezwischen der körperlichen und der geistigen Erkrankung schließt." Ich glaube,der wesentliche Punkt bei allen Erkrankungen ist, dass sie im energetischenBereich beginnen und sich dann in der Manifestation des Körpers zeigen.


N & H: Und die Homöopathie ist dafür einehervorragende Heilmethode, denn sie ist Energie-Medizin, wie Georges Vithoulkassagt...

Anne Schadde: Ja! DemHomöopathen stehen keine „materiellen" Mittel zur Verfügung, sondern nur „energetische". D. h. einhomöopathisches Mittel wird hergestellt, indem die Energie einer Substanz durchVerdünnen, Verreiben und Verschütteln von winzigen Mengen der Ausgangssubstanzaus den verschiedenen Naturreichen (Mineralreich, Pflanzenreich, Tierreichetc.) auf die Trägersubstanz Milchzuckerkügelchen aufgesprüht wird.
„Similia similibus curentur" - „Ähnliches werde mitÄhnlichem geheilt", lautet der Grundsatzder Homöopathie. Wir müssen also die kranke Energie im Patienten finden und diesemit der Energie des Naturreiches, mit welcher sie in Beziehung steht, verknüpfenEs geht in der Homöopathie nur um Energie: um die Energie, in der und durch dieder Patient erkrankt ist und die Energie des Heilmittels.
Jede körperliche Erkrankung hat ein energetisches Muster. Esist die Aufgabe des Homöopathen, genau dieses Muster, den „roten Faden",aufzugreifen und in ein passendes Mittel umzusetzen. Das homöopathisch korrektgewählte Mittel ist eine Möglichkeit, eine Brücke zu schlagen, dem Menschen zuhelfen zu gesunden, und ihn zusätzlich auf seinem inneren Weg der Entwicklungzu unterstützen.
Sobald das richtige Mittel verabreicht wird, tritt eineBeruhigung im Nervensinnessystem auf. Wir legen überhaupt sehr viel Wertdarauf, dass eine innere Entspannung eintritt - was sich durch größerenFrieden, innere Ruhe und Balance im Menschen ausdrückt. In der Folge könnensich die Symptome, die ja nur ein Ausdruck dieser inneren „Verspannung" sind,auflösen, weil sie nicht mehr nötig sind.
Das Prinzip der Resonanz


N & H: Alles, was uns umgibt, sind Informationen,mit denen wir umgehen müssen. Was passiert in einem Menschen, wenn er zu langenegativen Reizen ausgesetzt ist?

Anne Schadde: Jenachdem wie aufnahmebereit ein Organismus oder ein energetischer Bereich ist,reagiert er mehr oder weniger auf innere und äußere Reize. Also, nicht jedeEnergie trifft jeden. Das hat mit dem Resonanz-Prinzip zu tun. Natürlich gibtes ganz starke Reize bzw. plötzliche Ereignisse, Epidemien, die die Menschenstärker ergreifen und damit aus der Balance bringen. Aber prinzipiell muss eineinnere Bereitschaft vorhanden sein..

 
N & H: Das heißt von der Prädisposition der Person- was sie also von Geburt an alsErbe mitbringt.

Anne Schadde: Von derPrädisposition, ja genau. Diese Prädisposition hängt wiederum ab von denFaktoren, in die man in dieses Leben hineingeboren wurde, und von derLebenssituation in der Kindheit. Die ersten sieben Jahre des Lebens einesKindes sind rein vom Sensorium bestimmt. Das bedeutet, dass der Menschungeheuer aufnahmebereit ist und zwar über das Nervensinnessystem, das wie einSchwamm alles aufnimmt und stets auf seine Umgebung reagiert. VieleVerhaltensmuster, Empfindlichkeiten und natürlich Dispositionen zu Erkrankungenwerden also bereits in den sehr frühen Jahren gebildet.
Evolution - auch in der Homöopathie


N & H: Wenn wir die Homöopathie zur ZeitHahnemanns mit jetzt vergleichen, was hat sich verändert bzw. weiterentwickelt?Warum verlangt unsere Zeit eine neue Art, Homöopathie zu betreiben?

Anne Schadde:.Menschsein bedeutet Evolution. Betrachten wir das evolutionäre Prinzip: Wirhaben den Vater und die Mutter, sie bekommen ein Kind und das Kind hat Teilevom Vater und Teile von der Mutter und muss nun etwas Neues daraus machen. Undwie Goethe so schön sagt: „Wasdu ererbst von deinen Vätern, erwirb es, um eszu besitzen." D. h. jeder Menschist einmalig und es entsteht immer etwas Neues, alles muss und wird sichweiterentwickeln. Denn nur der Geist des Menschen ist fähig, sich zu befreien. Dieses Jahrtausend beinhaltetgenau die Möglichkeit für den Menschen, diese Freiheit bewusst zu erfahren. Inden letzten Jahrhunderten wurden wir dazu immer und immer wieder durch diegroßen Philosophen und Erkenntnisse von Freud, Jung, Steiner aufgefordert. Auch Hahnemann stand vor mehr als 200 Jahren am Anfang einer sehrgroßen Entwicklung. Es war die Zeit, als die Menschen nach der Oberherrschaftdes Klerus im Mittelalter die Welt verstehen wollten. Ebenso wollte Hahnemanndie Welt verstehen, und darin war er ein Pionier.Folglich gab er uns seine Maxime mit auf den Weg: „Werdet Pioniere! Folgtdiesen Schritten, folgt dem, was ich da tue!" „Aude sapere!" - „Wage es, dich deines eigenenVerstandes zu bedienen!"
Das innere Lied


N & H: Was hat sich in der Entwicklung derHomöopathie in den letzten Jahren getan?

Anne Schadde: Dr.Rajan Sankaran, der Gründer derBombay-Schule, hat in den letzten Jahren die Homöopathie durch das fortwährendekreative Weiterentwickeln seiner Ideen sehr bereichert. Er geht nicht nur nach Hahnemanns Vorbild konstant weiter, sondern ist auch sehrkreativ in der Entwicklung seiner Methode und der Entwicklung der Homöopathie.Es geht darum, herauszufinden, was die Hauptbeschwerde des Patienten ist. Warumer überhaupt in unsere Praxis kommt. Diese Hauptbeschwerde wollen wirversuchen, in der Tiefe energetisch zu verstehen. Wie ist die Energiebeschaffen, die in diesem Menschen krank ist? Wie ist dieEmpfindung indieser Erkrankung? Denn diese Empfindung bringt uns immer tiefer in dasZentrums des Seins und somit auf das richtige Mittel.
Wir gelangen in dieses Zentrum, indem wir den Patientenimmer wieder ermuntern: „Spüren Sie in sich hinein, wie fühlt es sich an?"
Und diese Energie hat einen Klang, trägt ein Lied, wie Sankaran sagt. Wenn wir lange genug beim Patienten bleiben,dann kommt er an den Punkt seines inneren Liedes, an dem er sagt: „Genau! Dasist es, was ich immer gespürt habe!" Unsere Aufgabe als Homöopath ist es, denPatienten an die Stufe heranzuführen, auf der er diese Energie in sich selbstwahrnimmt.
Die 180-Grad-Drehung


N & H: Sie sagten, dass das, was ein Mensch inseiner Kindheit erlebt hat, ihn sein ganzes Leben lang prägt.

Anne Schadde.Absolut. Es wird z. B. berichtet, dass Hahnemanns Vater seinen Sohn in ein dunkles Zimmer eingesperrt hat, damit er denken lernt- und das hat er definitiv getan, allein in einem dunklen Zimmer! Hahnemanns spätere Botschaft an uns war dann auch: „Denktselber, denkt nach! Versucht, selber weiter zu kommen!"


N & H: Das, was sich also ursprünglich wie einGefängnis angefühlt hat, führte ihn zu seiner Bestimmung. Da ist immer diesesParadoxon!

Anne Schadde: Ja. „Ichbin ein Teil von jener Kraft, die stets dasBöse will und doch das Gute schafft",wie Goethe so schön im Faust sagt. Das stellt für mich in der Praxis einen derwichtigsten Punkte dar: Das, was wir als Problem haben, besitzen wir eigentlichauch als Geschenk. Dazu braucht es aber eine 180-Grad-Drehung - und sie istnicht als Qual zu sehen, sondern als Geschenk.


N & H: Aber haargenau an dem Punkt dieser Drehungbraucht man Hilfe!

Anne Schadde:Richtig!


N & H: Und darin stellt die Homöopathie eineunvorstellbar tiefe Hilfe dar!

Anne Schadde:Unbedingt!
Dem Patienten Raum und Zeit geben


N & H: Was passiert an diesem einen Punkt genau?

Anne Schadde: Das istähnlich wie beim Kompost: Wenn wir Gartenabfälle auf einem Komposthaufenabladen, dann wird nicht sofort gute Erde daraus. Sondern wir müssen ihn nachgeraumer Zeit umdrehen. Er braucht Zeit, er muss gären, er muss reifen und vorallen Dingen, er muss um 180 Grad gedreht werden. Überhaupt spielt das Gespürfür den richtigen Augenblick eine entscheidende Rolle in der Homöopathie. Esist eines der großen Geheimnisse der Homöopathie, dass man warten können muss.Aber nicht nur nach einer Mittel-Gabe, sondern auch auf den Augenblick, in demsich etwas offenbart, Und dazu braucht der Patient Raum und Zeit. Das ist es,was wir Homöopathen heutzutage tun: Wir versuchen, dem Patienten Raum und Zeitzu geben, damit er sein Inneres entfalten kann. Dazu gibt es wieder eine sehrschöne Stelle im Faust:
„Der Geist der Medizin istleicht zu fassen;
Ihr durchstudiert die groß'und kleine Welt,
Um es am Ende gehn zulassen,
Wie's Gott gefällt.
Vergebens, dass Ihr ringsumwissenschaftlich schweift,
Ein jeder lernt nur, was erlernen kann;
Doch der den Augenblickergreift,
Das ist der rechte Mann."


N & H: Stellt nicht die Tatsache, dass der Patient ernst genommen wird in dem, was er über seinen augenblicklichen Zustand erzählt, bereits den ersten Schritt in Richtung Heilung dar?

Anne Schadde: Das ist richtig, aber ich wage zu behaupten („Aude sapere!"), dass das System, das im Inneren energetisch das Problem kreiert hat, eben dieses Problem nicht lösenkann. In anderen Worten: Wenn ein Problem beginnt, sich im Inneren zu formen,dann hat es einen energetischen Faktor, und dieser energetische Faktor erzeugtdie Erkrankung. Selbst wenn der Patient einen noch so großen Raum beimHomöopathen bekommt, ist die Energie, die das System krank gemacht hat, nachwie vor da. Diese Energie kann es nicht heilen. Das Geniale an der Homöopathieist ja, dass wir etwas nehmen, das überhaupt nichts mit dem Patienten zu tunhat, womit er aber energetisch in Resonanz steht.


N & H: Was passiert da genau?

Anne Schadde: Nehmenwir ein einfaches Beispiel: Ein Kind spielt in einer Pfütze, wird kalt undbekommt Fieber, vielleicht auch eine Halsentzündung Jetzt schauen wir, welchesBild dieses Kind zeigt: Es hat Halsschmerzen, einen roten Kopf, ist gestaut, esschwitzt, die Extremitäten sind kalt - und wir geben ihm dafür „Belladonna",die Tollkirsche, weil die Arzneimittelprüfung, d. h. die Prüfung am Gesunden,herausgefunden hat, dass die Tollkirsche ähnliche Symptome zeigt. Das Kind hatnatürlich mit der Tollkirsche überhaupt nichts zu tun. Allerdings geben wir demKind die Tollkirsche in homöopathischer Verdünnung, Verreibung undVerschüttelung.
Bei akuten Erkrankungen kann sich der Organismus natürlichrasch erholen. In einem solchen Fall geben wir das passende homöopathischeMittel und die Heilung erfolgt schnell.
Diese homöopathische Prüfung ist ein wichtiger Teil derHomöopathie. Hahnemann gab klareAnweisung für die Einnahme eines homöopathisch aufbereiteten Mittels (d. h. eines potenzierten Mittel) voneinem gesunden (d. h. zur Zeit nicht erkrankten) Menschen. Der Zustand, derdann entsteht, nannte er Kunstkrankheit, deren Symptome wir Homöopathensorgfältig aufzeichnen und als Mittelprüfungen bezeichnen. Dies ist über dieletzten Jahrhunderte von vielen Homöopathen so gemacht worden. Gibt man nun dem erkrankten Menschendas homöopathische Mittel, das diese Symptome zeigte, dann sagt der Organismus:„Moment mal!" und aktiviert sofort die Selbstheilungskräfte, Je präziser dasMittel den Symptomen der Erkrankung entspricht, umso schneller geht dieHeilung. Hahnemann hat es mit zweiDreiecken verglichen, die man übereinander deckt. Das erste Dreieck ist dieenergetische Erkrankung des Menschen, das zweite Dreieck ist die Energie desHeilmittels, und je klarer sie sich überdecken, um so präziser geht die Heilungvonstatten.
In chronischen Fällen ist es viel schwieriger. ChronischeFälle, das ist auchHahnemannsKommentar, heilen aus sich selbst heraus nicht, weil sie immer wieder aufdenselben krankmachenden Mechanismus zurückgreifen.
Die Integration der kranken Energie


N & H: Hilft gerade hier nicht die Homöopathie, indie tieferen Schichten des Menschen einzudringen und zu heilen?

Anne Schadde: Mitjedem homöopathischen Mittel nimmt man eine Energie auf, die - wenn sie durchden Homöopathen gut ausgesucht wird - einen Teil der kranken Energie heilt.Ideal ist natürlich, nach den exakten Anweisungen des „Organons" das Similimum zu suchen. Das ist ein edlerAnspruch, der uns Homöopathen alle einigt. Realität ist aber, dass wir uns oftüber verschiedene Mittel diesem Similimum nähern. Da müssen wir Homöopathenauch gnädig mit uns sein und die Patienten bitten, mit uns diesen Weg zu gehen.Denn es ist ein Weg, ein Prozess. Jedes Mittel macht ein Stückchen reifer, ein Stückchenweiter, weil man damit eine Energie aufnimmt, die einem fehlt.


N & H: Handelt es sich nicht eher um eine Energie,die blockiert ist?

Anne Schadde: Es istbeides das Gleiche. Denn, wenn die Energie blockiert ist, steht sie uns nichtzur Verfügung. Sie muss integriert werden, wie C. G. Jung sagt: „Das Krankhafte kann nicht einfach wie einFremdkörper beseitigt werden, ohne dass man Gefahr läuft, zugleich etwasWesentliches, das auch leben sollte, zu zerstören. Unsere Aufgabe besteht nichtdarin, es zu vernichten, sondern wir sollten viel mehr das, was wachsen will,hegen und pflegen, bis es schließlich seine Rolle in der Ganzheit der Seelespielen kann."
Er sagt also, die Probleme der Menschen müssen in dieGesamtheit der menschlichen Existenz integriert und nicht einfach weggenommenwerden. Jung war kein großer Freund der Homöopathe, denn er hat die Homöopathenso gesehen, dass sie dem Patienten das Problem wegnehmen und dass es keineinnere Entwicklung gibt. Es geht aber meines Erachtens nicht ohne einen innerenEntwicklungsprozess. Denn sonst bleiben die Symptome weiter bestehen, sieschieben sich lediglich auf eine andere Ebene. Wenn man dann den Patienten tiefhinterfragt, merkt man, dass das Problem energetisch dasselbe geblieben ist,dass es sich lediglich auf eine tiefere Ebene verlagert hat.
Kürzlich habe ich in Berlin auf einem Seminar einen Versuchgemacht und habe gefragt: „Stellen Sie sich einmal vor, Sie sind ein Tiger imKäfig. Wie fühlt sich der Tiger im Käfig?" Dann bin ich durch die Reihengegangen. Daraufhin sagte eine Frau: „Oh, ich bin so traurig! Ich bin gefangenund ich komme nicht heraus." Und ein Mann protestierte sofort und sagte: „Ichhabe Wut, ich schlage gegen die Gitterstäbe!" Das heißt, jeder hat seineindividuelle Art der Reaktion. Und dieses Individuelle ist das, was denMenschen bestimmt. Wir müssen also herausfinden, was das Individuelle einesMenschen ist. Dies wird als die
„individualisierende Untersuchung" eines Krankheitsfallesbezeichnet, wie Hahnemann im § 83 des „Organon" formulierte.


N & H: Es verlangt aber eine sehr großeSensibilität seitens des Homöopathen, um die Einzigartigkeit der Person, dievor ihm steht, zu erfassen!

Anne Schadde: Es gehtgar nicht so sehr um uns, sondern um den Patienten. Er muss uns in das Reichseiner inneren Energie führen und wir dürfen ihm nur folgen, so wie uns jemandmit einer kleinen Laterne in eine Höhle hineinführt.
Die Homöopathie versteht die Sprache des Unbewussten


N & H: Stellt nicht jede Krankheit die Möglichkeitdar, sich weiterzuentwickeln?

Anne Schadde: Ichwürde es eher so formulieren: Jede Krankheit zeigt, dass im Inneren eineEnergie aufgebaut wurde, die integriert gehört. Denn Krankheit ist einenergetisches Phänomen. Je weiter die Krankheit ins körperliche Feld eingedrungenist, umso weiter ist natürlich der Weg zurück. Aber die Aufgabe ist, dieEnergie der Erkrankung zu verstehen. Deshalb kann eine körperliche Erkrankungsich auf einer bestimmten Stufe abspielen, aber die Energie, die dahintersteht, kommt aus einer ganz anderen Ebene. Wir müssen es lernen, dieseZusammenhänge zu verstehen.


N & H: Aber bedeutet nicht eine Krankheit eineStörung der Lebenskraft? Sankaran spricht von einem umfassenden Aufruhr imMenschen. Dass etwas in ihm durcheinander gebracht worden ist.

Anne Schadde: Ja, dasist das, was Hahnemann sagt: Dassdie Lebenskraft fehlgeleitet worden ist. Dass die Lebenskraft nichtentsprechend zum Wohle des Menschen agiert. Nun müssen wir dieses Ideal abereinmal zur Seite stellen. Wenn wir es ganz realistisch anschauen, dann ist derWeg des Menschen von der Geburt bis zum Tod der Weg eines Aufbaus und einesAbbaus. Das ist die Realität. Der Tod ist nicht vermeidbar. Krankheit ist auchnicht vermeidbar. Es ist mir sehr wichtig, dass wir von der Überzeugungwegkommen, dass wir die Krankheit selbst verschulden. Krankheit ist eher dieMöglichkeit, etwas zu integrieren, das aus der Balance geraten ist. Über einhomöopathisches Mittel wird es integriert und die Erkrankung ist damitüberflüssig geworden.
Ich nenne es das 18. Kamel. Es ist die Geschichte einesGroßvisiers, der 17 Kamele hatte. Er wollte seinen drei Söhnen die Kamele mitfolgendem Testament vermachen: Der Erste erhält die Hälfe der Kamele, derZweite ein Drittel der Kamele, der Dritte ein Neuntel der Kamele. Er fragtealle Mathematiker, aber keiner konnte das Problem lösen. Dann fragten sie einenWeisen. Was war die Antwort des Weisen? Die Antwort eines Weisen lautet immer:„Ich weiß es auch nicht!" Denn Weisheit ist, es nicht zu wissen, sondern zuhandeln. Also sagte er: „Ich weiß es auch nicht, aber ich handle. Ich besitzeein einziges Kamel und gebe es euch dazu. Dann hatten sie 17 + 1 = 18 Kamele,und so konnten sie besser teilen: Die Hälfte von 18 ist 9, ein Drittel von 18ist 6 und ein Neuntel von 18 ist 2, dann addierten sie 9 + 6 = 15 + 2 = 17."Und sie konnten am Ende das 18. Kamel dem Weisen zurückgeben.
Das homöopathische Mittel ist für mich das 18. Kamel. Eswird gebraucht, um den energetischen Prozess zu vollziehen, und dann geht dasLeben weiter. So geht man in eine neue Entwicklung, in eine veränderte,integrierte Entwicklung.
Je mehr wir wissen, wer wir sind und was wir tun, umsoklarer können wir in die Zukunft blicken. Jung hat es wie folgt formuliert: „Die Menschen, die am wenigstenvon ihrem Unbewussten wissen, sind am meisten von ihm beeinflusst." Die Homöopathie ist imstande, die Sprache desUnbewussten zu verstehen, und zwar durch die Symptome der „Krankheit" desMenschen auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene. Je mehr wir uns mitunseren unbewussten Anteilen beschäftigen, um so mehr Möglichkeiten haben wir,weiterzugehen.


N & H: Und der zu werden, der wir in unseremtiefen Wesen sind...

Anne Schadde: Ja!Denn das Ja zu sich selbst schafft freien Raum.


N & H: Anne Schadde, wir bedanken uns sehrherzlich für dieses Gespräch.

Anne Devillard
www.naturundheilen.de