Was sind C- und D-Potenzen?

Von der physikalischen Verdünnung her befinden wir uns noch in physikalisch-materiellen Bereichen, erst oberhalb der D24 ist die Avogadro’sche Zahl und damit der immaterielle Bereich der Potenzierungen erreicht.
In anderen Ländern werden die C-Potenzen in der klassischen Homöopathie vorgezogen.
D-Potenzen spielen im deutschsprachigen Raum und in der anthroposophischen Medizin nach Dr. Steiner eine große Rolle. Sie werden oft auch in indikationsbezogenen, homöopathischen Komplexmitteln eingesetzt.
Außerhalb Deutschlands wird die D-Potenz meist als X- Potenz (lateinisch Zehn) gekennzeichnet. D-Potenzen betonen in der Anwendung mehr den körperlichen Bereich und die akute Situation und Symptomatik. Sie halten nicht so lange in der Wirkung an, wie Hochpotenzen und sind daher für den Laien oder eine pauschale symptombezogene Akutverordnung besser geeignet.
Wenn wir uns den individuellen Menschen in seiner Komplexität vorstellen, können wir uns ein dreidimensionales Hologramm als Modell denken, in dem sich folgende Bereiche miteinander verweben:
1. Der Körper mit seinen 10 Billionen Zellen und 100 Billionen symbiotischen Mikroorganismen. Ungefähr alle 7 Jahre erneuert sich eine Körperzelle.
2. Die Psyche mit allen vererbten und erworbenen Grundmustern, deren Emotionen permanent fließen und in den Träumen verarbeitet werden.
3. Der Geist mit allen fließenden Gedanken, Erinnerungen, Augenblickswahrnehmungen,
Zukunftsvisionen und Erwartungen, die uns weitertreiben.
Diese drei Bereiche stehen immer mit dem epigenetischen System (bestehend aus dem Chromosomengerüst in der DNA-Helix, RNA und unerforschten Bausteinen) in Kontakt und beeinflussen sich permanent gegenseitig.
Der Mensch will diese Bereiche für seine Vorstellung trennen, sie sind aber permanent miteinander verwoben, also ein System. Wenn alles in allem enthalten ist, ist also auch jedes einzelne Symptom im System des Ganzen enthalten. Ein Körpersymptom muss also auch in die Psyche und den Geistverwoben sein, genauso eine Emotion im Körper und Geist.
Der eine Therapeut kann von seiner persönlichen Individualität her ein Körpersymptom begreifen, ein anderer Therapeut eine psychische Symptomatik und darüber die Kunst entwickeln, den Menschen als Ganzes zu verstehen. Je tiefer dieses Verständnis geht, umso mehr kann er versuchen, Heilungsänderungen durch ein Simile Arzneimittel dauerhaft zuerreichen.
Dazu eine Geschichte:
„ Ein buddhistischer Meister der Hua-Yen Schule versuchte, dem Kaiser von China die durchdringende Natur des Bewusstseins zu verdeutlichen. Also ließ er einen Pavillon mit zwölf Wänden errichten und bedeckte innen die Wände, die Decke und den Boden mit Spiegeln. Als er den Kaiser hineingeführt hatte, zündete er eine Kerze an, die er in der Mitte desRaumes aufhing. Der Kaiser sah, wie das Bild der Kerze sich in tausend Spiegelnbrach. „Dies“, so sagte der Meister, „zeigt, wie das Eine zum Vielen wird.“
Dann hängte der Meister einen Kristall mit tausend Facetten unter die Kerze. Als der Kaiser genauer hinsah, erkannte er, wie sich noch in der kleinsten Kristallfläche die tausend Kerzenbilder rundum spiegelten. „Dies“, so der Meister, „zeigt, wie das Viele zum Einen wird.“
Aus Jack Kornfield, Das weise Herz, 2008 Arkana, München

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